EURENOMICS

Ein Förderprojekt der ACQUIFER a division of DITABIS

Seltene Nierenerkrankungen beeinflussen deutlich die Lebenserwartung und die Lebensqualität der betroffenen Personen. Das derzeitige diagnostische und therapeutische Management seltener Nierenerkrankungen ist höchst unbefriedigend. Wir sind nicht in der Lage, die genetische oder molekulare Anomalie, die dem Krankheitsphänotyp zugrunde liegt, zu erklären. Des Weiteren ist es schwierig das individuelle Risiko und den Krankheitsfortschritt vorherzusagen oder das Risiko von Verwandten, die gleiche Störung zu entwickeln, zu quantifizieren. Auch bei Patienten mit bekannten genetischen Ursachen ist die individuelle Risikoprüfung durch eine beträchtliche phänotypische Variabilität begrenzt. Effektive Therapien sind weitgehend nicht verfügbar. Der Mangel an geeigneten Krankheitsmodellen ist ein großes Hindernis für den Fortschritt in der therapeutischen Entwicklung.

Durch die Möglichkeit, molekulare Ereignisse im Endorgan (manifestieren der Krankheit) zu untersuchen, eignen sich Erkrankungen der Niere hervorragend für Forschungsansätze mit hohem Durchsatz: Die Nierenbiopsie, ein Standarddiagnoseverfahren, bietet eine einzigartige Gelegenheit, intrarenale biologische Prozesse ex vivo mit transkriptomischen, proteomischen und morphologischen Ansätzen zu untersuchen. Urin ist eine leicht verfügbare nicht-invasive Bioressource, um molekulare Auswertungen direkt aus der Niere zu studieren. Fruchtwasser, der fötale Urin, ermöglicht die pränatale epigenetische, proteomische und metabolomatische Profilierung im Rahmen einer Nierenentstehung. Jüngster technologischer Fortschritt bei der Exosomen-Isolierung von Urin und Amnionflüssigkeit hat sogar die Möglichkeit geschaffen, nicht-invasiv zelluläre Biomaterialien, die aus dem kranken Gewebe stammen, zu studieren.

EURenOmics hat fünf Krankheitsgruppen aufgrund ihres dringenden Bedarfs und ihres signifikanten Potenzials für diagnostische und therapeutische Fortschritte priorisiert: Steroid-resistentes nephrotisches Syndrom, membranöse Nephropathie, Tubulopathien, Komplementstörungen und Fehlbildungen der Niere und Harnwege. Das Konsortium hat Zugang zu einer einzigartigen Zusammenstellung von großen bestehenden Patientenkohorten und Biorepositorien, die mehr als 15.000 Patienten mit 10.000 DANN, 3.000 Serum, 2.000 Urin, 500 Amnionflüssigkeit und 3.000 Nierenbiopsieproben umfassen. Rund 30 Wissenschaftler und Industriepartner haben sich für EURenOmics entschieden, um eine breite Palette von Hochdurchsatztechnologien, innovativen Ansätzen der Systembiologie und einer Vielzahl von In-vitro-, Ex-vivo- und In-vivo-Modellen anzuwenden, um Krankheitsmechanismen zu untersuchen und neuartige therapeutische Ansätze zu erforschen.

Die anfänglichen Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die methodische Standardisierung und beinhalten Verfahren zur Erfassung und Verarbeitung von Biospecimens, aber auch den Aufbau einer integrierten Phänomendatenbank für eine einheitliche klinische Phänotypisierung. Das nächste Ziel ist die Suche nach neuen Genursachen. Die Screening-Strategien umfassen die Sequenzierung von Genen der nächsten Generation, regulatorische Regionen, Exomen und ganze Genome, die Anwendung modernster bioinformatischer Werkzeuge für Data Mining, Filterung und Gen-Netzwerk-Analyse sowie umfangreiche Genotyp-Phänotyp-Analysen unter Verwendung standardisierter phänotypischer Informationen. Neuartige Epitope / Antigene und Antikörper werden systematisch in jenen Störungen durchsucht, in denen eine Autoimmunpathologie vermutet wird. Die Proteinprodukte der neu identifizierten Genvarianten sowie die Mechanismen der Autoantikörperbildung sind funktionell durch eine Reihe von in vitro, ex vivo und in vivo Technologien gekennzeichnet. Zur Identifizierung spezifischer molekularer Krankheitszeichen wird eine multizentrische Modellierung in Körperflüssigkeiten und Nierengeweben durchgeführt, eine prognostisch indikative neue Ontologie seltener Nierenerkrankungen entwickelt, molekulare Marker gefunden und Pfade mit Krankheitsaktivität und -progression verbunden. Diagnosetools und Biomarker werden entwickelt. Schließlich werden in vitro und in vivo Modelle entwickelt, die ein Hochdurchsatz-Screening von Verbundbibliotheken für neuartige Therapeutika ermöglichen, die Krankheitsphänotypen umkehren oder abschwächen.


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